
Sorry! Seit dem letzten Wort zum Zeitgeschehen ist wieder viel zu viel Zeit vergangen! Naja, angefangen hab ich ja schon des öfteren, aber immer, wenn ich die Idee hatte: "darüber schreib ich jetzt mal was", hat mich das Zeitgeschehen überholt. Es ist aber auch nicht einfach, in Zeiten, in denen religiöse Spinner mit vollbesetzten Flugzeugen in Wolkenkratzer donnern und langjährig kriminelle Irre mit legal beschafften Waffen schwer bewaffnet in ein Kantonsparlament stürmen und wie Rambo zu seinen besten Zeiten blindwütig rumballern und 14 Politikern das Lebenslicht auslöschen. Mit solchen Ereignissen muss man sich dann so lange beschäftigen, bis eine neue, noch irrwitzigere Meldung die Schlagzeilen der Medien bestimmt. So geschehen auch im Falle des Zuger Rambos. Die Einschusslöcher im Ratssaal waren noch kaum alle gezählt, die Toten gerade mal bestattet, da beglücken uns die Medien bereits mit der nächsten Hiobsbotschaft, diesmal aus Kloten: Die Swissair ist am Ende!
Nicht, dass man sich jetzt umstrukturieren, einen Teil des Personals einsparen oder einige ausländische Beteiligungen verkaufen müsste, die Swissair ist dermassen Pleite, dass man auf Langstreckenflügen schon fast die Feuerzeuge der Bisnesklass-Passagiere einsammeln muss, um es mit dem Sprit noch bis zum nächsten Flughafen zu schaffen. Mittels cleverer Verzögerungstaktik konnten die Banker unseren nationalen Stolz, das fliegende Schweizerkreuz, vom Himmel holen und dort auch gleich behalten. Zum Glück, denn eine Zeit lang sah es ja ganz so aus, als müsste man gleich alle Flugzeuge auf 0.- abschreiben, weil die ausländischen Flughäfen ihre Guthaben in Form von anwesenden Swissair-Jets decken wollten. Da wäre es ja wirklich unverantwortlich gewesen, die Konkursmasse in alle Welt zu verteilen.
Das ganze Debakel den Bankern in die Schuhe zu schieben, wäre indes nicht fair. Zu viele Wirtschaftsterroristen, die in den letzten Jahren ihren eigenen Verarschungs...ääh...Verwaltungsrat an der Nase herum führten, haben eine mindestens ebenso grosse Schuld. Immerhin haben sie sich sicher rechtzeitig die eigenen Taschen gefüllt und sich dann elegant verabschiedet. Und wer zahlt nun die Zeche? Du und ich! Oder glaubst du etwa, dass die Kohle, die der Bund nun in das grosse schwarze Swissair-Loch reinstopft, aus den persönlichen Sparkonti von Moritz und Kaspar stammt? So sehr ich mir gewünscht hätte, dass es mit der Swissair nicht soweit kommen muss, dass kein Personal entlassen werden muss und der Name Swissair bleibt, mit diesem Vorgehen hat der Bundesrat quasi einen Freibrief für alle Wirtschaftsterroristen ausgestellt, so ganz nach dem Motto: Füllt euch eure Taschen und wurstelt fröhlich in den Abgrund, kümmert euch nicht um die Folgen, wir zahlen ja! Das finde ich überhaupt nicht fantastic, und ich sehe da sogar ziemlich schwarz für unsere Wirtschaft, nicht nur braun...
Es hat ja auch seine guten Seiten, dass die Swissair nicht mehr fliegt. Die Hohentengener müssen sich nun nicht mehr so aufregen, wenn ein Flugzeug über ihre Köpfe schwebt, denn die Chance, dass es ein Flugzeug mit Schweizerkreuz auf dem Seitenruder ist, ist nun erheblich kleiner. Und wir Schweizer können auch ohne schlechtes Gewissen mit ausländischen Airlines in die weite Welt fliegen.
Aber vielleicht nehmen wir das Ganze auch viel zu ernst und erkennen nicht, dass es einfach Zeit ist, sich von alten Traditionen zu lösen. Die Schweiz lebt von Traditionen. Die Schweiz ist stolz auf ihr Käse-Schoggi-Alpen-Uhren-Image. Haben wir denn nichts anderes, worauf wir stolz sein können, als vielleicht noch auf dem Umstand, dass jeder richtige Schweizer ein Sturmgewehr im Kleiderschrank verrosten lässt?
Ich habe mich vor einigen Jahren freiwillig aus dem Kreise der richtigen Schweizer abgemeldet und bin stolz drauf! Ich schäme mich auch nicht, einem Japaner zu sagen, dass eine Seiko an meinem Handgelenk tickt, weil wir die Blancpains, Tissots und Longines nur noch produzieren, um den reichen ausländischen Touristen den Zaster aus der Tasche zu ziehen. Und die Amis sollte man möglicherweise mal aufklären, dass ihr heller Swiss-Cheese, der sowieso zu viele grosse Löcher aufweist, wahrscheinlich nicht von einem Senn auf der Bränte von der Alp ins Tal runter getragen wurde.
Ja sogar unsere guten Swiss-Army-Knifes werden weltweit hergestellt, nur offenbar nicht überall in derselben Qualität. Anlässlich der U21-Handball-WM in der Schweiz fanden in der ganzen Schweiz Spiele statt. Die Organisatoren der Spiele in Crissier bei Lausanne ehrten nach jedem Spiel je den besten Spieler jeder Mannschaft. So kam auch ein Norweger zu dieser Ehre und erhielt dafür eben ein Swiss-Army-Knife. Am nächsten Tag spielte eben jener Spieler nicht, stattdessen trug er einen dicken Verband an seinem linken Unterarm. Wie sich herausstellte, wollte er seinen Gewinn vom Vortag testen und fand dazu nichts passenderes als seinen eigenen Unterarm. Und er musste schmerzhaft feststellen, dass ein echtes Schweizer Sackmesser eben wirklich scharf ist. Die Wunde wurde übrigens mit acht Stichen genäht...
Aber wenn sich die Qualität der Swiss-Army-Knifes noch nicht mal bis nach Norwegen durchgesprochen hat, müssen wir wohl bald auch mit runder Toblerone, Emmentalerkäse ohne Löcher, Alpen mit Palmenstrand und Daihatsu-Uhren made in Switzerland rechnen. Made in Switzerland? Noch kaum einmal ist mir so klar geworden, was das bedeutet, wie an dem Tag, an dem ich das Wort "Made" nicht englisch ausgesprochen habe!
Freundliche Grüsse
Ihr promiroli
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gehts lang zu früheren literarischen Ergüssen
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